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Quiz Erziehungsstile
Fafo? Delfin? Hä?
Unsere Autorin Caren ist ratlos: Jetzt hat sie einfach so ihr Kind erzogen, ihm den Finger aus der Nase gezogen, das Beissen in fremde Arme verboten. Aber war sie damit nun «Fafo» oder hat sie «konstruktivistisch» erzogen oder doch eher im «Delfin-Stil»? Tja. Sie hat keine Ahnung. Und ihr? Wir haben hier einen kleinen Wissenstest über den Erziehungs- und Elternsprech der Stunde. Auflösung ganz unten.
Frage 1 «Gentle Parenting ist vorbei» hiess neulich eine Schlagzeile. Aber was genau ist denn nun vorbei ?
A «Gentle Parenting» kommt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäss «Erziehung zum Gentleman». Also: Messer beim Essen korrekt halten, Gähnen nie ohne Hand vor dem Mund, Ellenbogen vom Tisch. Kurz: Erziehung, in der Etikette-Regeln und Knigge eine grosse Rolle spielen.
B Was soll das heissen, «Gentle Parenting» ist vorbei? Wir erziehen unsere Kinder immer noch nach der Methode! Sprich: sanft, emphatisch, respektvoll und aus Überzeugung, ohne Schreien oder Strafen.
C «Gentle Parenting», das ist ein Begriff aus der Bettenwerbung. Es geht, glaub ich, um sanften Schlaf in einem speziellen Familienbett mit Federkern und Spannmuffen aus Edelstahl.
Frage 2 Was will die schwangere Freundin uns mit folgender SMS mitteilen: «Ich war bei der Gyn, mein Mumu ist tief.»
A Sie hat sich vertippt. Bedeuten soll das: Ich war im Gym und mein Muskel-Mover-Wert ist unterirdisch. Kurz, sie ist in der 32. Schwangerschaftswoche nicht mehr besonders gelenkig.
B Sie war bei der Frauenärztin und ihr Muttermund sitzt tief. Offenbar hat sie Angst, dass vorzeitig die Wehen einsetzen könnten.
C Sie war bei ihrer Gynäkologin, die ihre Vagina (von Kindern auch Mumu genannt) untersucht und eine Gebärmuttersenkung festgestellt hat.
Frage 3 Auf dem Flyer einer Privatschule steht zu lesen: «Unser pädagogischer Ansatz folgt einem konstruktivistischen Ansatz.» Was will uns das sagen ?
A In dieser Schule steht die technische Bildung im Fokus. Zum Fächerkanon gehört «Architektur». In den unteren Klassenstufen kommt häufig Konstruktionsspielzeug zum Einsatz. Klingt nach einer sympathischen Schule. MINT-Fächer sind wichtig.
B Es handelt sich um eine Schule, die ihren Schwerpunkt bei der Philosophie gesetzt hat. Leitend ist Jacques Derridas Ansatz des Dekonstruktivismus. Uns ist das zu elitär. Wir werden keine Kunden.
C Ganz korrekt müsste es «co-konstruktivistisch» heissen. Der Ansatz besagt, dass Menschen Wissen nicht einfach übernehmen, sondern es im Austausch mit anderen erst mit emotionaler Bedeutung aufladen und gerade das wichtig fürs Verstehen ist. Wo ist die Schule? Wir sind dabei !
Frage 4 «Delfin-Eltern» sind:
A Äh, Delfine, die Eltern sind?
B Keine Ahnung, vielleicht Eltern, denen in der Erziehung Spiritualität wichtig ist. Delfine sollen ja sogenannte Krafttiere sein.
C Ich vermute Väter und Mütter, die in ihrer Erziehung eine perfekte Balance von Liebe, Führung und Freiheit erstreben. Aber – kleiner Einwurf: Tun das nicht alle Eltern?
Frage 5 Und was sind Giesskannen-Eltern ?
A Eltern, die ihre Kinder nach dem Giesskannen- Prinzip mit Lob nur so überschütten.
B Eltern, die sehr viel Wert auf eine ökologische Erziehung mit intensivem Naturbezug legen.
C Scherzhafte Bezeichnung für Eltern, die ihre Kinder in Wald- oder Outdoor-Kindergärten schicken.
Frage 6 Erlebnispädagogik ist ...
A ... das achtsame Erleben des Elternseins. Wichtiger Bestandteil der Erlebnispädagogik ist «Journaling», eine Art Tagebuchschreiben über das Aufwachsen und die Entwicklungsschritte des Kindes.
B ... ein traumapädagogischer Ansatz. Dieser besagt, knapp gefasst, dass mittels schöner neuer Erlebnisse alte Traumata überschrieben und aufgearbeitet werden können.
C ... ein Teilgebiet der Pädagogik. Hier werden herausfordernde Erlebnisse und Grenzerfahrungen in der Natur genutzt, um soziale und emotionale Kompetenzen der Klient:innen zu stärken.
Frage 7 Wenn von Akkommodation in der kindlichen Entwicklung die Rede ist, dann geht es um:
A Akkus. Also um die stetige Zunahme digitaler Medien im kindlichen Alltag und wie man den Umgang damit modifiziert, also abwandelt.
B Akkommodation umschreibt den Prozess, in welchem Kinder kontinuierlich ihre bisherigen Denkschemata anpassen, wenn neue Erfahrungen alte Denkmuster als falsch erweisen.
C Das Wort ist von der Stadt «Akko» bei Haifa abgeleitet. Dort stand die erste Koranschule. Es geht um Erziehung nach den Regeln des Islam.
Frage 8 Wovon ist die Rede, wenn von «permissiver Erziehung» gesprochen wird ?
A Bei der «permissiven Erziehung» können Kinder im Wesentlichen machen, was sie wollen. Gleichzeitig wird aber von ihnen auch eine hohe Eigeninitiative erwartet.
B In «permissiv» steckt das lateinische Wort «mittere», schicken. Als Erziehungsmassnahme wird das Kind auch schon mal ins Zimmer oder auf den «stillen Stuhl» geschickt.
C Den «Peers», den Gleichaltrigen, wird in diesem Konzept besondere Bedeutung beigemessen. Der Ansatz geht davon aus, dass Heranwachsende stärker von den gleichaltrigen Freund:innen und Klassen kamerad:innen erzogen und geprägt werden als von Erwachsenen.
Frage 9 «Conscious Parenting» ist ...
A ... ein pädagogischer Ansatz in der Tradition des Kantschen Satzes «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen». Zentral ist also die För derung kritischen Denkens.
B ... bewusste und achtsame Erziehung. Wichtig ist, die Verletzungen des eigenen «inneren Kindes» zu bedenken und zu registrieren, wie dadurch in Stress situationen ein bestimmtes dysfunktionales Erzie hungsverhalten getriggert wird.
C ... übersetzt «bewusstseinserweiterte Erziehung». Ironisch bezeichnet der Begriff Eltern, die bewusst seinserweiternde Drogen nehmen, also ab und an kiffen.
Frage 10 Intensive Elternschaft ist ...
A ... ein Synonym für Elternsein überhaupt. Oder kennt irgendwer Elternschaft, die nicht ganz ausserordent lich intensiv wäre?
B ... ist eine andere Bezeichnung für ehrgeizige Eltern. Sie fördern ihre Kinder besonders intensiv. Vorbild: Amy Chua, die TigerMom.
C ... bindungs und bedürfnisorientierte Elternschaft. Diese Eltern gehen stets intensiv auf ihre Kinder und deren Bedürfnisse ein (auch nachts, auch während eines Telefonates, auch wenn sie selbst gerade mit einander Sex haben… kurz: immer) und investieren sehr viel Zeit und Energie in den Nachwuchs.
Frage 11 Und was ist jetzt dieses «Fafo» ?
A Abkürzung für «Fuck around and find out». Der Begriff ist neu, der Ansatz nicht. Es geht darum, Kinder durch Erfahrung lernen zu lassen. Sie sollen auspro bieren, Fehler machen und genau dadurch lernen. Schrammen, versemmelte Prüfungen, Bauchschmer zen nach dem dritten Glace und der erste Alkohol Kater? Such is life. Ständiges Beschützen ist verbo ten. Ständige Aufmerksamkeit auch.
B Abkürzung für «Family Forever». Oder auch: «Family First». Es handelt sich um eine amerikanische Be wegung, die die klassische Familie ins Zentrum stellt. Deren Erhalt ist das Wichtigste. Fafos berufen sich auf die Bibel und halten Scheidung für Sünde.
C Abkürzung für «Fear about false organization», die im Extremfall pathologische Angst, vor allem von Müttern, den Alltag nicht geregelt zu bekommen. Betroffene führen oftmals bis zu sechs digitale und analoge Agenden parallel.
Lösung: 1=B; 2=B; 3=C; 4=C; 5=A; 6=C; 7=B; 8=A; 9=B; 10=C; 11=A
