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Dafür & Dagegen
Adventskalender: Hört doch endlich auf mit diesen Plastikmüll
Adventskalender zu befüllen, ist sinnlos und unvernünftig, sagt Maja Zivadinovic. Und genau das ist das Gute daran, findet Caren Battaglia.
Dafür: Die Lizenz zum Kitsch
Überflüssigen Krempel vermeiden? Klingt sinnvoll. Dem Konsum abschwören? Sehr vernünftig. Und welcher denkende Mensch könnte etwas dagegen haben, Quality-Time zu verschenken statt 24 überflüssiger Kinkerlitzchen im Adventskalender? Niemand kann da was gegen haben. Niemand: ausser mir.
Denn ich liebe alle Adventskalender. Von Herzen und bekennend irrational. Weil ich es schön finde, für mein Töchterchen Handwärmer in Gestalt eines frierenden Pinguins zu verpacken. Und Lippenbalsam mit Lebkuchengeschmack, Klebestifte mit Strickmütze und winzige Rentiere, deren Bäckchen rot blinken, wenn man ihnen auf die Nase drückt.
Vielleicht ist das meine kleine Revolte gegen all die flächendeckende Nüchternheit.
Stattdessen einmal jährlich: die Lizenz zum Kitsch. Generell vertrete ich im Advent das Motto: mehr ist mehr. Schalen mit Nüssen, die mehrere Rudel Eichhörnchen sattkriegten, Kerzenmassen, die den Petersdom zur Christmette taghell erleuchten könnten, Tannenzweige, die unser Wohnzimmer in ein Dickicht verwandeln und eben – der Adventskalender.
Erstens, weil ich finde, es ist eine liebevolle Geste, Geschenke auszusuchen, und seien sie auch noch so klein. Zweitens, weil meine Tochter sich immer darüber freut. Und drittens – und das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt: weil ihre Mutter sentimental und nostalgisch ist. Was habe ich mich schon als Kind ab Ende Oktober auf den Adventskalender gefreut. Den mit Schokolade: mit dem Ball, dem Schlitten, dem Fliegenpilz... Hach, ja!
Kurz: Ja, ich sehe ein, der Adventskalender ist unvernünftig und zutiefst gefühlig. Aber gilt das nicht überhaupt für die schönsten Dinge im Leben? Für alles, was immer in Erinnerung bleibt? Na, bitte.
Caren Battaglia
findet: ohne Kalender kein richtiger Advent. Deshalb sorgt ihr weiser Mann dafür, dass sie selbst auch jedes Jahr einen hat.
Dagegen: Kaum zwei Sekunden Freude
Es ist nicht so, dass ich Weihnachtsgegnerin bin. Im Gegenteil. Die Adventszeit ist die schönste und kuscheligste Zeit des Jahres. Samichlaus, Christkindli, Adventskalender, alles schön und gut. Bloss: Der Aufwand rund um Adventskalender ist riesig. Ich habe eine Nichte, einen Sohn, einen Göttibuben und einen anderen Lieblingsbuben aus meinem engen Umfeld. Bis vor einem Jahr habe ich für alle Adventskalender gebastelt. Das hat mich gefühlt eine Seele und ein Bein gekostet.
Hier Seifenblasen, dort kleine Farbstifte, eine Badebombe, Kreiden, Tattoos, Kinderpflaster – Kleingedöns halt. Summiert sich in der Menge sehr. Das würde ja noch gehen, hätten die Kinder dann wenigstens lange Freude und würden ihre Geschenkli länger als zwei Sekunden zu schätzen wissen.
Spoiler: Tun sie nicht! Die Kleinen reissen die Säckchen auf, schauen rein, schalten ab und leben ihr Leben weiter, als hätte ich mich nicht maximal bemüht und mir was überlegt und mich ins Rabbit Hole gegoogelt auf der Suche nach coolen kleinen Dingen.
Das, mit Verlaub, frustriert mich nicht nur, nein, Äxgüsi, das scheisst mich an.
Ich war schon eins davor, den Adventskalender-Hype zu boykottieren. Als mir eine meiner besseren Ideen kam: Statt 24 Kleinigkeiten zu verschenken, setze ich jetzt auf etwas Grösseres. Die Kids kriegen ein Playmobil- oder Lego-Teil, das ich in 24 Teile zerlege und jeden Tag eines verschenke. Während dieser Zeit ist das natürlich nicht so der Knaller. Am Ende aber, wenn die Kleinen alles Kleine zu einem Grossen zusammenbauen, strahlen ihre Augen. Und mein Herz? Das lacht! Mein Portemonnaie? Sagt Danke!
Maja Zivadinovic
ist Mutter, Tante, Gotti – und mag einfach keine Kohle mehr aus dem Fenster schmeissen wegen Kleinmüll.