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Vaterzeit
Luules Geschenk für 2040 ist parat
Luules anstehender zweiter Geburtstag bringt unseren Autor Christian völlig durcheinander. Schliesslich sollte alles wie am Schnürchen laufen. Wie dann doch alles anders und viel besser kam.
Ich liebe Geburtstage. Das war als Kind schon so und verstärkte sich im Laufe der Jahre. Der Höhepunkt meines Kindergeburtstages war jeweils das Wunschmenü «Rahmschnitzel mit Nudeln», und da meine Eltern mit Geschenken zurückhaltend waren, setzte ich alle Hoffnung auf das Paket vom Gotti aus New York, das alsbald ein Couvert mit einem Dollar-Cheque war, den ich jeweils in der Dorfbank umtauschen konnte. Spektakulär war das, aber so richtig schön wurden meine Geburtstage dennoch erst, als ich sie selber gestalten konnte.
Seit ich angestellt bin, habe ich an meinem Geburtstag noch nie gearbeitet: immer freigenommen, oft auch grosszügig ein langes Wochenende daraus gemacht, Opern an der Scala gehört, zum 30. Geburtstag die Freunde nach Florenz zum Bistecca-Essen eingeladen – was weiss ich. Dieses Jahr war der Tag wunderschön, fuhren doch Luule, Tea und ich nach Bologna, wo auch Luules Florentiner Götti Giacomo zum Mittagessen mit am Tisch sass: Wir assen Mortadella und Tagliatelle al Ragù, packten Geschenke aus und hatten es wunderbar zusammen. Kurz: Ich kann Geburtstag.
Als aber Luule im Oktober zwei Jahre alt werden sollte, wurde ich schon Ende August nervös: Wie sollten wir feiern, was sollten wir tun? Wohin reisen? Was wo essen? Was trinken? Was kochen? Wen einladen? Was Luule schenken?
Heimlich hoffte ich auf Geschenke-Spezialistin Tea, doch als sie zwei Wochen vor dem grossen Tag fragte, ob wir Luule nicht etwas Besonderes schenken müssten, wurde ich blass. «Ja klar sollten wir! Aber was?» Ich beruhigte uns kurzfristig damit, dass da gerade ein dickes Paket angekommen war, in dem drei teure Winteranzüge gesteckt hatten. Was für ein schönes Geschenk, nein?
Es kommt sowieso anders
In meinem Zögern musste ich daran denken, dass ich als Kind die Maxime «Kleider gelten nicht als Geschenk!» mit Nachdruck verfechtet hatte. Wenn man schon Kind von irgendwelchen Eltern sein musste, dann sollte man von ihnen doch wenigstens die Kleider gratis erhalten, dachte ich. Und zwar nicht die Hosen vom grossen Bruder.
Die üblichen 1003 Dinge mit links erledigend und mit rechts den Job schmeissend, einigten uns Tea und ich darauf, dass wir einen Batzen in Luules Aktienpaket einzahlen würden und dass wir ihr und uns allen ganz einfach einen schönen Tag machen würden.
Zwei Tage vor dem grossen Tag, am Freitagmorgen, überlegte ich nochmals, was wir essen sollten, merkte aber, dass sowieso alles durcheinandergehen würde. Am Abend schauten Tea und ich, nachdem Luule eingeschlafen war, zum ersten Mal seit zwei Jahren gemeinsam einen Film und ich merkte: Der Geburtstag beginnt! Um 22.30 Uhr gabs ein grosses «Hallo!», standen doch der Götti und seine Frau vor dem Haus. Kaum im Wohnzimmer ging das Glücklichsein weit in die Nacht hinein.
Kein grosser Morgen, aber ein grandioses Geburtstagswochenende nahm am Samstag seinen Lauf. Götti und Ehefrau wunderten und freuten sich sehr, dass ich keine Restaurants reserviert hatte und dass wir alle spontan entscheiden würden, was wann auf dem Tisch sein würde.
Luule verschlief zwar die Hauptacts – etwa den Festumzug mitsamt Ziegen am Wysonntig in Hallau oder das Affengehege im Zoo Zürich –, hatte aber drei Tage lang enorm Spass mit dem grossen Luftballon in Form einer Zwei und einem weiteren in Form einer Kuh. Am eigentlichen Geburtstagsabend ass Luule erstmals Fondue und ging erneut brav ins Bett, derweil wir vier Silvester zu planen begannen. Ich wusste allerdings schon: Planen wir nur, es kommt sowieso alles anders. Aber wunderschön. Und daran ist Luule schuld.
Welches Geschenk Luule zu ihrem 18. Geburtstag im Jahr 2040 erhält, steht übrigens jetzt schon fest: Wir haben es in der Geburtstagsnacht aus einer euphorischen Laune heraus in eine Bordeaux-Holzkiste gelegt und zugenagelt.
Christian Berzins (1970) ist Autor bei den Zeitungen von CH Media und Kolumnist bei «wir eltern». Seit er im Oktober 2022 Vater von Luule geworden ist, hielt er uns über seine Erlebnisse als Papa auf dem Laufenden. Dies ist seine letzte Kolumne für uns. Wir danken Christian von Herzen für seine wundervollen, erheiternden und feinfühligen Texte über sein Papasein mit Luule und wünschen ihm und seiner Familie das Allerbeste.