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Dafür & Dagegen
Sind Sex-Dates mit dem Partner eine gute Idee?
Von Redaktion
Abmachen zum Sex mit dem Partner? Ja klar, findet unsere Autorin Manuela, die Vorfreude kann ganz schön prickelnd sein. Auf keinen Fall, sagt Autorin Caren. Sex gehört für sie nicht auf eine To-do-Liste.
Dafür
Sex-Dates mit dem eigenen Partner zu vereinbaren, mag unromantisch klingen. In einer langjährigen Beziehung aber kann die Vorfreude darauf, am Wochenende Sex zu haben, zusammenschweissen. Wahlweise natürlich auch zweimal unter der Woche, einmal im Monat, einmal im Jahr oder täglich. Egal ob im Bett, auf dem Sofa, in der Waschküche oder im Motel. Die Realität ist ja aber auch: Nach jahrelanger Partnerschaft ist man nicht mehr dauererregt. Wer behauptet, es kribble und funke in der 20-jährigen Langzeitbeziehung noch wie in Zeiten der stürmischen Verliebtheit, lügt. Oder versucht zumindest, eine gephotoshoppte Fassade seiner selbst aufrechtzuerhalten. Die Realität ist auch: In der Kleinkinderphase fehlt der Raum für Spontanität. Hätten beide gerade Lust auf einen Quickie, kleben die Kinder garantiert an einem wie die Kletten oder das Baby erwacht genau im ungünstigsten Moment. Warum sich also nicht regelmässig an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit daten, während die Kinder fix in der Krippe, bei Oma und Opa oder anderweitig ausgelagert sind?
Zugegeben, die Sexualhormone hüpfen bei Dates nach Plan nicht immer bei beiden gleichzeitig hypererregt durch die Blutbahnen. Und verabredeter Sex heisst auch nicht jedes Mal super Sex. Manchmal endet es in vorzeitiger, überwältigender Müdigkeit, manchmal in einem Lachanfall. Meistens in einer zufriedenen Sattheit. Filmreife Performances und Supersex überlassen wir Porno-Stars wie Rocco Siffredi. Sex-Dates sind wie liebgewonnene Rituale. Weihnachten findet an Weihnachten statt und Ostern an Ostern. Egal, wie man sich gerade fühlt. Irgendwie wird es dann meistens doch ganz schön.
plädiert übrigens für getrennte Schlafzimmer. Da kann nachts jeder tun und lassen, was er/sie will. Auch Schnarchen.
Dagegen
Montag, 17.30 Uhr: Katze kraulen nicht vergessen! Mittwoch, 19 Uhr: Tochter knuddeln, 20.30 Uhr: Schokolade essen. 22 Uhr: ein Glas Wein trinken. Ich meine, gibt es jemanden, der so was auf seine To-do-Liste schreibt? Ich zumindest nicht. Dinge, die ich gerne tue, muss ich nicht in meine Agenda eintragen. Warum also sollte ich mir einen Sex-Termin mit meinem Mann eintragen? Ja, ja, ich weiss, Sex-Dates sind derzeit der heilige Gral unter den paartherapeutischen Tipps. Und gerade Eltern, glaubt man der Ratgeberliteratur, scheinen einfach nicht daran vorbeizukommen, in ihre Kalender zwischen Job, «Kieferorthopäden» und «Katze entwurmen lassen» eigens eine Stunde zu blocken. Codewort: Zwinkersmiley. Natürlich kann es jede Person in Sachen Erotik halten, wie sie will, und Zwinkersmiley-Sex ist allemal besser als gar kein Sex. Nur: Für mich wär das nix – Koitus nach Stundenplan. Klar ist es ebenso wichtig wie selbstverständlich, dass Paare ab und an ungestörte Zeit zu zweit miteinander verbringen. Aber: Leidenschaft mit Ansage?
Sex-Termin: 18.45. Zack, Begierde an. 18.47: Klamotten unten, 18.55: erhöhte Lautstärkeentwicklung, 19.03: eine Maschine Buntwäsche anschmeissen? Vielleicht bin ich ja hoffnungslos romantisch, aber ich finde es schön, dass wenigstens Sex noch etwas ist, bei dem der Kopf mal endlich nichts zu suchen hat: kein Planen, keine Exceltabelle, kein Optimieren, keine Fitnesstracker (Der Kalorienverbrauch beim Sex beträgt übrigens pro halber Stunde 50 bis 140 Kalorien. Ich hab das extra gegoogelt, für alle, die das zusätzlich in ihre Liste eintragen wollen). Ja, als Eltern hat man viel Stress. Doch wer Sex als weiteren Programmpunkt sieht, den es abzuhaken gilt, sorgt nur für mehr Stress. Dabei ist es die schönste Entspannung der Welt.
Nicht alles im Leben sollte akribisch terminiert werden. Und Sex schon mal gar nicht.